Jahrgang 2003

Das heißeste Jahr seit rund 600 Jahren bescherte den Winzern in Deutschland zunächst eine frühe Blüte und einen Reifevorsprung von bis zu vier Wochen. Im Sommer machte sich die enorme Hitze jedoch nicht nur positiv bemerkbar. Zwar schossen die Zuckerwerte in die Höhe, doch gleichzeitig blieb in Lagen mit schlechter Wasserversorgung die tatsächliche Traubenreife häufig auf der Strecke. Selbst spät reifende Sorten hatten oft schon im August spätlesetaugliche Mostgewichte bei relativ niedriger Säure und verleiteten manchen mehrere Wochen vor dem gewohnten Termin mit der Lese zu beginnen. Das Ergebnis sind oft grüne, unreife Weine, die lediglich die technischen Daten reifer Tropfen aufweisen.

So hatten nur die Erzeuger eine Chance, die Ruhe bewahrten, bis die Trauben ihre tatsächliche Reife erreicht hatten. Gleichwohl bot der Jahrgang, bei gut gepflegten Böden und ausreichender Wasserversorgung, alle Möglichkeiten für die Erzeugung außergewöhnlicher Qualitäten in nahezu allen Bereichen. Während die frühen Sorten selten erstklassige Ergebnisse lieferten, konnten mit Riesling, Chardonnay und Grauburgunder, vor allem in den nördlicheren Anbaugebieten, zum Teil aber auch in der Pfalz, große Erfolge gefeiert werden. Da die Trauben, bis spät in den Herbst hinein, oft vollkommen gesund blieben.

Im Jahr 2003 konnten wir zum ersten Mal Sauvignon Blanc Trauben vinifizieren.

 

Jahrgang 2002

Nach einem ungewöhnlich kalten Winter, der mit Frostspitzen am 24. Dezember und 6. Januar in manchen Lagen erhebliche Schäden anrichtete, begann das Weinjahr mit einem frühen Austrieb und dank des idealen Juniwetters sehr gleichmäßigen Blüte. Den gesamten Sommer lagen sowohl die Temperaturen, als auch die Regenmenge über dem Durchschnitt, was schon früh zu Problemen mit Peronospora und Fäulnis führte. Nur wer seine Weinberge im Griff hatte, konnte die Trauben überwiegend gesund halten und eine Katastrophe, wie sie im Jahr 2000 viele Lagen heimsuchte, vermeiden.

Gleichzeitig sorgte der warme Sommer jedoch für einen Reifevorsprung von rund 14 Tagen, der zum Teil bis in den September hinein gehalten werden konnte. Dort, wo die Weinberge gesund blieben, bescherten sie qualitätsbewussten Erzeugern Ende Oktober, trotz des einsetzenden Regens, goldgelbe Trauben mit ausgezeichneten Zucker- und Säurewerten. Die reichliche Wasserversorgung sorgte zudem für ungewöhnlich hohe Extrakte und einen selten da - gewesenen mineralischen Ausdruck in den fertigen Weinen. Im Bereich der trockenen Rieslinge entstanden so besonders in der Pfalz, in Rheinhessen und im Rheingau Weine von Weltklasse. Den Rotweinen kam der kühle und verregnete Herbst weniger zu gute. Nur selten wurde die Dichte und Struktur von 1999 und 2001 erreicht.

In dem Jahrgang 2002 wurden die ersten Grand Select Weine Vinifiziert, die die Spitze unserer Qualitätspyramide darstellen. Durch die erschwerten Bedignungen konnten wir allerdings erst sehr spät und nur in sehr geringen Mengen diese herausrragende Weine keltern.

 

Jahrgang 2001

Nach einem milden Winter und einem relativ feuchten Frühjahr sorgten optimale Bedingungen im Mai für eine zügige Entwicklung im Weinberg. Der Juli brachte überdurchschnittlich viel Regen und ein sehr nasser September ließ die Hoffnungen auf einen sehr guten Jahrgang schwinden. Ende der ersten Oktoberwoche setzte sich jedoch das Hoch "Nadja" durch und sorgte für wochenlanges Bilderbuchwetter. Die Zuckerwerte schossen in die Höhe und wer rechtzeitig ausgedünnt hat, konnte überwiegend gesundes Lesegut in erstklassiger Qualität auf die Kelter bringen.

Das Resultat ist einer der homogensten Jahrgänge seit langem in Deutschland. Vor allem die spät reifenden Traubensorten brachten hervorragende Ergebnisse. Von der Mosel bis in die Ortenau wurden komplexe, extraktreiche Rieslinge produziert, von denen die Besten das Potenzial für eine lange Reifezeit besitzen. Wohl kaum in einem anderen Jahrgang in der jüngeren Geschichte des deutschen Weinbaus entstanden dabei ähnlich viele erstklassige trockene Weine. Doch auch die Roten profitierten stark vom goldenen Oktober und brachten den deutschen Weinmachern nach 1999 den zweiten Spitzenjahrgang für Rotweine innerhalb kurzer Zeit.

Die Erntemenge lag deutlich unter dem Durchschnitt.

Mit dem 2001er Jahrgang stellten wir die erste Select-Kollektion vor. Durch diesen überdurchnittlichen Jahrgang hatten wir sehr gute Voraussetzungen für die Vinifizierung hochwertiger Select-Weine.

 

Jahrgang 2000

Ein extrem früher Austrieb (zum Teil schon in der 3. Märzwoche) und eine mancherorts bereits Ende Mai einsetzende Blüte, ließen früh Hoffnungen auf einen Jahrhundertjahrgang aufkommen. Der ideale Witterungsverlauf sorgte für einen Reifevorsprung von bis zu 3 Wochen, dem selbst der relativ kühle Juli wenig anhaben konnte. Ab Mitte August setzte nach und nach in allen Weingebieten Regen ein und hörte von da an praktisch nicht wieder auf. Mit der feuchten und gleichzeitig warmen Witterung kam auch die Fäulnis.

Am Ende konnten aus manchen Lagen nur winzige Mengen gesunden Traubenguts eingebracht werden, nicht wenige Parzellen faulten gar innerhalb weniger Tage vollkommen weg. Im Gegensatz zu 1999 war diesmal die Wasserversorgung nirgends ein Problem. Bei sorgfältigster Weinbergsarbeit war es daher in den meisten Gebieten durchaus möglich, Weine mit hohem Extrakt und sehr saftiger Frucht zu keltern; beides Attribute, die 1999 oft fehlten.

Überrascht bin ich, wie vielen Produzenten dieses Jahr ansprechende Rotweine geglückt sind. In manchen Fässern schlummern Tropfen, die ich unter diesen Umständen kaum für möglich gehalten habe. Leider wirft der ziemlich laxe Umgang vieler Verbandsfunktionäre, Genossenschaftsvorständen und auch Selbstvermarktern mit der Wahrheit einen Schatten auf die positiven Aspekte des Jahrgangs 2000. Die Ernteberichte strotzen oft nur so von Superlativen wie "Traumjahr" oder "Jahrhundertjahrgang". Da werden Oechslegrade zelebriert, ohne Rücksicht darauf, ob diese nun durch Edelfäule verursacht wurden, oder durch Grau- und Sauerfäule, was erheblich häufiger vorkam. Doch auch in allen anderen Geschmacksbereichen und Qualitätsstufen sind wirklich saubere und reife Weine eher die Ausnahme als die Regel. Selbst bei Spitzenproduzenten ließen sich von der Fäulnis herrührendeWachsaromen oder unreife und grüne Noten oft nicht vermeiden.

Jahrgang 1999

Auch wenn es wie immer deutliche regionale Unterschiede gab, wurde der Jahrgang so gut wie überall in Deutschland von drei Faktoren geprägt: einer frühen Blüte, extremer Hitze im Sommer und zeitweise feucht-warmer Witterung im Herbst. Während im Sommer die Trauben am Stock verbrannten und teilweise der Reifeprozess aufgrund der Trockenheit ins Stocken geriet, sorgte das warme feuchte Wetter im Herbst für ein Aufblähen der Beeren und einen deutlichen Rückgang der Extraktwerte. Wer die Lese zu früh ansetzte, lief Gefahr, zwar analytisch, aber nicht physiologisch, reife Beeren zu ernten. Diejenigen Erzeuger, die bereits früh begannen, ihre Weinberge auszudünnen und die Lese sehr lange hinauszögerten, hatten eindeutig die Nase vorn und konnten zum Teil überragende Resultate, vor allem im trockenen Bereich, einfahren.

Ein besonderes Jahr war 1999 allerdings für die Rotweine, vor allem jene aus Burgundersorten. Ihnen kamen die Jahrgangsbedingungen erheblich mehr entgegen als den meisten weißen Arten. So entstand eine Fülle sehr guter bis hervorragender Rotweine, wie es sie in Deutschland, in der Menge und Qualität, bislang nicht gab. An der Ahr und im Rheingau, in Franken und in der Pfalz wurden neue Qualitätsmaßstäbe gesetzt.

Alles in allem also kein einfacher Jahrgang, der in manchen Bereichen deutlich die Spreu vom Weizen trennte und zu hohe Erträge gnadenlos bestrafte. Dabei gelang es dennoch einer ganzen Reihe von Erzeugern, die Möglichkeiten des Jahrgangs optimal zu nutzen und großartige Kollektionen vorzustellen.